Argentien-Salta, Cachi, Cafayate, Salinas Grandes, Humauaca, Tilcara

DSC_0051

Mehr Bilder von Catchi hier

Bilder von Cafajate hier

mehr Bilder von den Salinas Grandes hier

mehr Bilder bon Humauaca und Tilcara hier

So ihr lieben, hier kommt der nächste. Auch hier bitte ich euch im Voraus mögliche Fehler zu ignorieren. Im Bus wird schon ohne Kommasetzung schlecht.

Nach einer für uns alle recht komfortablen Nacht, in der nur einmal wieder der arme Titus ob seinen fast zwei Metern Länge kaum ein Auge zugetan hat, kamen wir zur unwirtlichen Stunde von 6 Uhr morgens in Corrientes an. Corrientes ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz mit ca. 300.000 Einwohnern. Ihr Name bedeutet ‘Die Stromschnellen’ da sie genau an der Stelle des Parana liegt, an der sich um sieben Halbinseln, Stromschnellen bilden.

Touristisch wie wirtschaftlich relativ unbedeutend, verirrt sich kaum ein Reisender absichtlich hierhin. Das merkten wir vor allem daran, dass uns auf unserem Stadtbummel ein völlig verzückter 16 Jähriger Deutscher ansprach, der hier seit einem halben Jahr Auslandsaustausch absaß und glücklich war mal wieder einige deutsche Worte zu hören. Unser Plan uns wegen mangelnder Freizeitgestaltungsmöglichkeiten Empanadas zu kaufen und uns am Strand des Parana schlafen zu legen, zerschlug sich durch stundenlange Regengüsse.

Empanadas sind übrigens kleine Teigtaschen mit meist Huhn, Hackfleisch oder Käsefüllung, die man in Argentinien an jeder Ecke findet. Auch in anderen südamerikanischen Ländern gibt es sie- nur oft größer und manchmal in einer Hülle aus Maisteig. Zur Freude unserer eh schon strapazierten Hüften werden sie in Argentinien wenigstens nicht fritiert sondern gebacken.

DSC_0296

Zuerst fanden wir Zuflucht in einem Gaucho- Laden- Gauchos nennen sich in Argentinien die Landarbeiter und vor allem Reiter. Deren traditionelle Kleidung sind die Bombachas (heißt eigentlich Unterhose)- Stoffhosen in allen erdenklichen Farben, die etwas pumpig geschnitten sind und an den Fesseln enger werden. Darüber werden entweder Reiterstiefel getragen oder Stoffschuhe die den spanischen Espandrillos ähneln. In einem Gaucho-Laden findet man zudem alles was es zum Polo- spielen benötigt, da hier nicht nur der Sport äußerst verbreitet ist sondern vor allem der weltweite Polo- Kleidungsbedarf hauptsächlich von Argentinien gedeckt wird. Außerdem findet man lederne Gürtel, Taschen und Geldbeutel in allen Farben und Formen, denn wo so viel Fleisch vertilgt wird, muss es auch Leder im Überfluss geben. Nachdem wir den ganzen Laden an- und ausprobiert hatten, unser Hunger nach argentinischer Traditionskleidung getilgt war und der Himmel einmal wieder kurz aufriss, machten wir uns auf zu unserer nächsten Zuflucht. Sobald die nächstenRegentropfen fielen, fanden wir im Casino ein Dach über den Kopf. Hier sitzen bereits früh morgens ein paar trostlose Gestalten die ihre letzten Pesos auf den Kopf hauen. Mit einem umgerechneten Einsatz von ganzen 1,50 Euro kauften wir uns großspurig ins Spiel, zwei Minuten später waren diese verloren und wir standen wieder im Regen.

Nach einem herrlichen Mittagessen und Leonardo di Caprios und Kate Winslets Darstellung in ‘Solo un sueno’ im örtlichen Kino (rührende 2 Euro Eintritt) bestiegen wir den nächsten Nachtbus nach Salta.

Salta liegt wie bereits erwähnt im Nord-westen des Landes, nahe der bolivianischen Grenze in der gleichnamigen Provinz Salta, deren Hauptstadt sie ist. Mit 600.000 Einwohnern ist sie die achtgrößte Stadt Argentiniens. Hier findet man vor allem eine schöne koloniale Altstadt, bessere Preise als im Süden und das beste Eis das ich je gegessen habe. Dulce de leche Eis mit Dulce de Leche Stücken kann schon einmal zu Eisfrühstück, Mittag- und Abendessen führen. Neben der Stadt Salta selber, interessierte uns aber vor allem deren Umgebung. Wir planten ein Auto zu leihen um damit die Provinz abzufahren.

DSC_0011

Nun kamen wir aber ersteinmal völlig gerädert in Salta an und stolperten sofort ins Hostel inklusive Pool zum auschlafen. Dort empfing uns ein überaus netter Herbergenbesitzer der sofort erklärte, er seie Koch und man könnte ja miteinander kochen. Später stellte sich heraus, dass er zwar kochte, wir aber alle Zutaten nach seiner horrend teuren Einkaufsliste zu besorgen und vor allem zu bezahlen hatten. Seinen Apetit schien das Gefühl hilfsbedürftige Studenten auszunehmen, nicht zu hemmen. Immer wieder versuchte er uns dazu zu drängen, für uns kochen zu dürfen, fand später aber Gott sei Dank neue Opfer. Auf diese Weise finanzierte sich der Fuchs seine gesamte Abendversorgung. Zudem suchte er ununterbrochen auf penetranteste Weise Kontakt. Saß man lesend im Garten, stellte er sich daneben und glotzte einem so lange von hinten in die Seiten, bis man es nicht mehr aushielt und ihn etwas fragte. Und egal was man fragte, kam er immer wieder darauf, dass er ja getrennt von seiner Freundin und der Mutter seines Sohnes lebe (den wir auch durchgefüttert hatten) und eine neue Mami für ihn suche. Dabei hatte er beide Hände mit druchgestreckten Ellebogen in den Hosentaschen vergraben, wippte nervös von einem Fuss auf den anderen, druckste herum und kicherte enervierend über seine eigenen sehr flachen Witze.

Die Jungs konnten es zwar nicht ganz nachvollziehen aber Uschi und mir ging der liebe Sebastian wahnsinnig auf die Empanada.

Wenigstens war er sehr einsichtig und hat mir eine Nacht Reduktion gegeben, als sich herausstellte, dass in meiner Matratze eine Kolonie Bettwanzen lebte. Die Beweislage war allerdings auf meiner Seite, denn nachdem ich schon bei Mückenstichen alergisch reagiere, sah ich aus wie eine Pizza mit allem. Meine ganzen Beine und Arme waren übersäht mit Bissen. Wahrscheinlich hat er so schnell eingelenkt, damit endlich ich aufhöre, ihm die betroffenen recht absto0enden Stellen unter die Nase zu halten.

Leider begann es an unserem Ankunftstag auch in Salta zu regnen und dazu bekam Titus eine gehörige Bronchitis.

Wenigstens hatten wir hier unser eigenes Zimmer, nicht wie in Iguazu wo jeden Moment ein besoffener Australier aus dem Bett neben dir fällt und, da zu betrunken, wimernd auf dem Boden liegen bleibt, bis man sich seiner annimt. Durch den Wirt lediglich kopfschüttelnd mit ‘Boracho’ (Besoffener) komentiert.

Wir verbrachten also die nächsten Tage in unserem eigenen Zimmer im Hostel. Während Gawain und ich am zweiten Tag an unserer Hausarbeit saßen und Titus sich auskurierte, machte die Uschi sich auf in die Stadt um Essen zu besorgen. Auf ihrem Weg begegnete sie einem Knäul kämpfender Hunde, aus dem sich plötzlich ein besonders reudiges Exemplar herauslöste und angestachelt vom eben gefochten Kampf auf sie zusteuerte (Leider werde ich mit Worten ihrer sehr anschaulichen und zu ihrem Ärgernis eher lustigen als beängstigenden Darstellung der Geschehnisse nicht gerecht). Die Uschi, eh schon vorher überzeugt, sie werde auf dieser Reise einer Hundemeute zum Opfer fallen, dreht auf dem Absatz um, sprintet gehetzt in die nächste offene Haustür und schließt sie. Da stand sie also, nass und ängstlich im Wohnzimmer eines ihr völlig fremden älteren Ehepaars, dem es sleten widerfährt, dass junge Deutsche Mädchen unangekündigt bei ihnen einfallen. Gott sei Dank zeigten sie viel Verständnis für Uschis Überfall und ließen sie erst wieder auf dir Straße nachdem sie sich beruhigt und ein Gebet aufgeschrieben und auswendig gelernt hatte, dass den heiligen Georg (san Jorge) bittet seine Hunde in Zaum zu halten. Dies sagt sie seither jedesmal wie ein Mantra auf, wenn ein Hund auch nur daran denkt sie eventuell anschauen zu wollen.

Streunende Hunde sind in Argentinien und vor allem im Norden des Landes ein ernsthaftes Problem. Überall streuenen sie durch die Straßen und kommen natürlich nicht immer in Frieden. Ein bißchen fühlt man sich wie in Entenhausen, überall scheinen Tiere zu sein.

Da ich mir nicht sicher war, dass ich so beherzt zuschlagen könnte, wie es meine Schwester Theresa tat als sie hier von einem Köter angefallen wurde beunruihgte mich die Tatsache, dass der Gawain die letzte in Berlin und Umgebung vorhandene Tollwutimpfung bekommen hatte und ich ungespritzt verreisen musste.

Als es endlich aufgehört hatte zu regnen, stand ein kleiner, weißer Fiat bereit um uns über Berg und Tal von Salta zu transportieren. So vertrauensunselig er auch aussah, ging es wenigstens endlich los. Das leider nur für ein drittel der Truppe. Titus lag immernoch krank im Bett und beschloss, Sebastian könne ihm weniger schaden als eine Fahrt durch die Berge. Um das Auto denoch voll zu bekommen, fragten wir zwei Kanadier, die wir zuvor im Bus kennen gelernt hatten, ob sie uns nicht begleiten wollten bis Titus wieder auf den Beinen sei. Sie taten es. Erste Station unserer Reise sollte Cachi sein. Ein zweitausendseelendorf das wohl cachi – von Quechua = Salz heißt, da ein nahe liegender glänzender Gipfel für solches gehalten wurde. Das kleine aber sehr feine Dorf liegt in den Valles Calchaquies, einer Kette zusammenhängender Täler am Ostabhang der Anden.

DSC_0424

Vor allem die Auffahrt zu dem auf 2.280 Meter hohen gelegenen Ort ist sehenswert. Man fährt durch alle möglichen Vegetationsstufen und hat alle fünf Minuten einen atemberaubenden Blick aus und in die Anden. Damit dieser, dank der Serpentinen nicht in eine Plastiktüte gerichtet ist, kann man am Straßenrand Kokablätter kaufen und kauen. Zwar ist der Anbau der Koka- Pflanze verboten, da sie zur Herstellung von Kokain dient, das Verkaufen und Kauen der Blätter wird jedoch toleriert- außer als Hilfe gegen Überlkeit, haben diese auch keine Wirkung.

Bevor wir allerdings auch nur angefangen hatten den Berg zu befahren, stellte sich das erste Problem. Durch den anhaltenden Regen der letzten Tage hatte sich mitten auf der Straße nicht etwa ein Pfütze, auch nicht ein kleiner See, sonder ein reißender Fluss quer über den Weg gebildet. Am Straßenrand war bereits eine eindrucksvolle Sammlung von abgefallenen Nummernschildern zu bewundern und unser kleiner Fiat schien mehr Sorge vor der Überfahrt zu haben als wir. Zudem kommt, dass die argentinischen Leihwagenversicherung purer Betrug sind und der Kunde für jeden kleinsten Schaden zu zahlen hat.

DSC_0459

Nachdem ich die Tiefe des Flusses gemessen hatte und dabei fast bis zu den Knien in eiskaltem Wasser stand, war es eigentlich beschlossene Sache, zurück zu fahren. Gott sei Dank fuhr just in diesem Moment ein anderer Kleinwagen ohne Skrupel an uns vorbei über den Jordan und auf die andere Seite. Was der konnte können wir schon lange und weiter gings.

Witzigerweise stellte sich später heraus, dass die Straße auch als Marie (meine Schwester) und Amelie (meine Cousine) vor einem Jahr diese Strecke fuhren genau dort überflutet war. Die Bilder dieser beiden todesmutigen Schwestern ähneln sich auf jeden Tropfen Wasser.

DSC_0075

Angekommen in Catchi bewunderten wir nicht nur die hübsche Architektur des Ortes, für die damals hauptsächlich Jesuiten verantwortlich waren, sonder auch einen etwas versteckten und durch Zufall entdeckten Friedhof. Dieser war über und über mit den den absurdesten und buntesten Plastikblumen übersäht und viele der Gräber waren bemahlt oder mit Acsesoires wie kleinen Püppchen versehen. Neben den ‘normalen’ Gräbern gab es einfache Steinhaufen, kleine Mausoleen und Betonquader mit einzelnen Fächern auf denen manche mit ‘Reservado’ gekennzeichnet sind.

DSC_0599

Ein weiteres Steak später verließen wir Catchi wieder um unsere Rückfahrt nach Salta anzutreten.

Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass Titus immernoch krank und nicht in der Lage war zu reisen. Also nahmen wir wieder Michael und Jessy mit auf die Fahrt. Diese führte uns diesmal nach Cafayate. Auch diese Stadt liegt in den Valles calchaquies, diesmal aber auf 1630 Metern Höhe und ist vor allem für ihren Wein bekannt, den man sich dort sogar als Eis zu Gemüte führen kann.

Mit knapp 12 Tausend Einwohnern ist Cafayate immernoch recht klein aber dafür sehr hübsch und ein beliebtes Touristenziel. Hier blieben wir über Nacht. Gawain war besessen von der Idee die Ruinen von Quilmes zu sehen, welche ca. 60 Km außerhlab von Cafayate in der Provinz Tucuman liegen. Diese alte Befestigungsanlage wurde vom gleichnamigen Indianerstamm gebaut um sich gegen angreifende Spanier zur Wehr setzen zu können. Das hört sich zwar alles sehr spannend an, ist es leider aber kaum. Zu sehen sind ein paar Steinmauern die, nachdem sie noch nicht einmal so besonders alt sind, völlig charmelos in der Landschaft stehen. Eine Touristenfalle ist es dazu.

DSC_0130

Sehr viel spannender war hingegen die Fahrt dorthin. Als wir aus Cafayate hinaus, an einer Tankstelle vorbei fuhren sagte die so verantwortungsbewusste Louisa: ‘kommt, lasst uns doch noch tanken, bevor da keine mehr kommt’ aber hat jemand auf mich gehört? Nein, denn wo drei Männer in einem Gefährt mit Motor sitzen wird an solch mädchenhafte Lapalien kein Gedanke verschwendet.

Wie es also so kommen musste, gab es nichts außer Kühe auf dem Weg nach Quilmes und als wir endlich ein anderes Auto gefunden und angehalten hatte, verkündete der Fahrer, die nächste Tankstelle wäre ca. 20 Kilometer in eine andere Richtung. Da wir für genau 20 km Sprit hatten und Cafayate bereits mehr als 30 Kilometer hinter uns lag, wurde also abgebogen. Mein heimlicher Triumph wurde von meinem nicht so geheimen genervt sein überschattet in dem mir die Uschi solidarisch bestand. Wenigstens aber war die Tankstelle interessanter als später die Ruinen von Quilmes. Mitten in der Pampa hatte sich hier jemand ein kleines Tankstellenschloß gebaut, dass zudem Treffpunkt aller 3,5 Einwohner im Umkreis der nächsten 100 Kilometer war.

Quilmes war wie gesagt enttäuschend, vor allem weil unsere Führerin nicht die geringste Möglichkeit gab, ihr schnelles und undeutliches Geplapper zu verstehen und wir ungeführt über die Steinreste stolperten die vielleicht sonst ganz interessant gewesen wären.

Zurück in Cafayate deckten wir uns ein weiteres Mal mit Artesania ein. Artesania nennt man örtliche Handwerksprodukte in Latainamerika- Stoffe, Kleider, Schmuck, Taschen, Schüsseln, Hängematten…

Am nächsten Tag trug uns Hanibal -Hector, unser mittlerweile getauftes Auto, zurück nach Salta. Vorbei an einer atemberaubenden Landschaft die ein bißchen ausschaut wir in einem Western. So, wie ich mir Teile Nordamerikas vorstelle in denen ich noch nicht gewesen bin.

Teil dieses Wild- West Gefühls ist auch der- Dagenta del diabolo- der Schlund des Teufels-, eine riesige Felsspalte in die man hineinklettern kann, für die Kamera posiert und dann weiterfährt.

DSC_0852

Für einige Stunden stoppten wir auf dem Weg zurück noch am Cabra Corral  See um ins Wasser zu springen und dicken argentinischen Familien beim Grillen zu zuschauen.

An einem kleinen Kiosk kauften wir uns eine Runde Empanadas und einmal wieder wurde uns bewiesen, dass offensichtlich kein Argentinier rechnen kann. Erst brachte die Köchin zu wenig, dann zuviel, dann 9 anstatt 6 bestellten Käse-empanadas und 6 anstatt der 9 mit Fleisch und nachdem sie verkündete nun alles richtig zu haben, stellte sich heraus, dass in allen Kartoffeln waren. Zwischendurch zückte sie dann immer wieder den Taschenrechner, der hier auch gerne mal benutzt wird um 2+3 auszurechnen oder im Falle des Hostels in Iguazu 10% von 100 Pesos. Wenn sie dann alles in das arme Gerät hinein gehackt hatte, zeigt sie uns das Display nickte eifrig, schaute dann selber noch einmal näher hin, schüttelte den Kopf und verschwand wieder in der Küche.

Wir saßen während dessen draussen und schauten Telenovelas. Das sind die südamerikanischen Seifenopern von den es unendlich viele zu geben scheint. Wenn jemand glaubt, ‘Verbotene Liebe’ sei schlecht, hat er das hier noch nicht gesehen. Ein solches Ausmaß an abgrundtief schlechten Schauspielkünsten, miserabler Kameraführung und völlig sinnfreien Dialogen ist mir noch nie untergekommen. Außerdem weinen oder schreien sie ununterbrochen und machen darin nur eine Pause um hämisch über einen eben ausgeheckten Plan zu lachen, der vorsieht, der Mutter des Vaters der Cousine den jungen Liebhaber auszuspannen, ihr Geld zu klauen und damit eine Beautyfarm aufzubauen die eigentlich eine Geldwäscherei ist.

Denoch hoch amüsant und wahrscheinlich mitschuld an der Rechenschwäche der Argentinier.

Wieder in Salta angekommen, stellten wir fest, dass Titus genesen war und verabschiedeten uns von unseren mittlerweile sehr lieb gewonnenen Kanadiern, die nun weiter nach Bolivien reisen wollten. Dort, hatte man ihnen erzählt, gäbe es ein Gefängniss durch das man sich von Insassen führen lassen könnte. Angeblich wäre es aufgebaut wie ein kleines Dorf mit Läden, Werkstätten und Bars. Man kann sich dort sogar Wohnungen kaufen, sollte aber Nachts nicht dorthin kommen, denn dann sei es gefährlich.

Als Andenken hinterließen die beiden uns eine CD, die sie sich in Cafyate gekauft hatten und die uns seit dem beigleitete. Auf dem Cover abgebildet war eine leichtbekleidete Amazone die sich in einem Leopardenbikini in der Brandung räkelt und keines der auf der Rückseite angegebenen Lieder war tatsächlich auch auf der Cd zu finden. So hörten wir über Stunden Modern Talking und ähnlich Abgründiges- immernoch erträglicher als argentinischer Pop, der hier die Radiostationen regiert. Unser Lieblingslied wurde schnell ‘ Touch by Touch’ von den östereichischen Keyboard Virtuosen ‘Joy’. Mit Zeilen wie ‘ skin to skin, come under my cover- touch by touch you’re my all- time Lover’ begleitet von Helicoptergeräuschen und anderen funky sounds, brachten sie die Stimmung in unserem kleinen Fiat zum Überkochen.’Joy’ wirt zugegebenermaßen noch absurder, wenn man sie durch die Argentinischen Berge fahrend hört, während Gauchos und Kühe einen ungläubig anglotzen.

So sollten sie uns also auch noch weiter auf unserer Tour zu den Salinas Grandes, den großen Salzwüsten, begleiten.

DSC_0035

Wir hatten vor erst dorthin zu fahren, anschließend eine Nacht im weiter gelegenen Humahuaca zu verbringen und von dort früh morgens nach Iruya aufzubrechen um dann wieder komplett nach Salta zurück zu fahren.

Auf unserer Fahrt Richtung Salzwüste und auf den Salinas selber nahmen wir uns ein Beispiel an Joy und drehten einige Musikvideos zu unserem neuen Lieblingssong. Keiner von euch noch eine andere lenbende Seele wird sie jemals zu Gesicht bekommen- höchstens Joy höchstpersönlich, falls sie noch nicht im Pophimmel sind.

Die Salinas Grandes del Noroeste liegen im Grenzgebiet der Provinzen Salta und Jujuy in einem Hochtal auf etwa 3.450 m über dem Meeresspiegel. Vor ca 5 bis 10 Millionen entstand der etwa 820 km² große See durch tektonischer Veränderungen am Ostabhang der Anden. Die meist aus Natriumchlorid bestehende Salzschicht der Salinas ist 30 Zentimeter dick und man kann gemütlich mit dem Auto darauf fahren. An manchen Stellen entstehen Löcher, in denen sich Wasser sammelt Abzuraten ist hier mit eh schon schmerzenden Wanzenbissen am Knöchel hinein zu steigen.

Fährt man mit dem Auto über den letzten Hügel vor den Salinas beißt einem diese riesige weiße Fläche in den Augen und steht man ersteinmal darauf, kann man förmlich spüren wie einem die Reflexion die Haut brät.

DSC_0003

Das schöne ist, dass es so groß ist, dass man keine Menschenseele sehen muss, wenn man nicht möchte. Außerdem kann man mit dem Auto auf das Salz fahren und so richtig ordentlich heitzen um anschließend mit Vollbremsung und Handbremse über die Wüste zu slyden. Dabei kommen einem 60 km/h vor wie 200 und links und rechts ist nichts, was einen gefährden könnte. Das Hanibal Hektor schneeweiß ist, machte die Bilder von unserer Raserei noch besser.

Fleißig in der Tradition aller anderen Salinasbesucher machten wir natürlich noch Hüpfbilder. Nachdem Vorder und Hintergrund einfarbig weiß sind, sieht es us als spränge man wahnsinnig hoch. Diese und alle anderen Bilder kann sich jeder von euch gerne auf Facebook ansehen.

Nachdem genügend Fotomaterial besammen war und uns langsam der Kopf von all dem Weiß schwirrte, fuhren wir weiter nach Huhmauaca.

DSC_0182

Huhmauca liegt im Nordwesten Argentiniens, im Norden der Provinz Jujuy und ist die Hauptstadt des Departamento Humahuaca. Sie hat mitsamt ihrer Vororte etwa 15.000 Einwohner, von denen ein Großteil von den Ureinwohnern der Kollas und Omaguacas abstammen. Die Stadt wurde 1591 und war bis Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Handelszentrum des sogenannten Alto Perú. .Hier sehen alle Menschen noch mehr als auch schon bereits in Salta sehr bolivianisch- indianisch aus und sind häufig in traditionelle, bunte Stoffe gekleidet. Zwischen den Lehmhütten finden sich viele schöne Kolonialhäuschen und als wir nach Internet fragten, wurden wir schallend ausgelacht.

DSC_0359

Am nächsten Morgen versuchten wir einen Bus nach Iruya zu bekommen, da dorthin nicht mit dem Auto gefahren kann. Es stellte sich heraus, dass der Bus hin und zurück 6 Stunden brauchen würde, was uns keine Zeit ließe, pünktlich zurück nach Salta zu kommen.

Wir waren darüber vor allem deswegen ziemlich verärgert, weil uns Sebastían, der Herbergsbesitzer, gesagt hatte ‘ ihr fahrt mit dem Auto nach Huhmauca, steigt da in den Bus nach… schaut es euch an und kommt wieder’. Das hörte sich für uns nach max 1 ½ Stunden an. Seltsamerweise haben Argentinier ein ungewöhnliches Zeitverständniss, so dass man bei jeder Angabe noch einmal das doppelte draufsetzten muss um bei einer realistischen Einschätzung anzukommen.

DSC_0186

So fuhren wir also uverichteter Dinge zurück nach Salta, schauten uns auf dem Weg noch Tilcara, ein Huhmauca sehr ähnliches Dörfchen, an und reisten am nächsten Tag weiter nach Mendoza.


Eine Antwort zu Argentien-Salta, Cachi, Cafayate, Salinas Grandes, Humauaca, Tilcara

  1. geiler Blog ! Reise bald selber nach Südamerika und erlebe hoffentlich auch so viel. so super schreiben kann ich nur leider nicht

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s